Medien und Erziehung

Erziehungsaufgaben im Umgang mit digitalen Medien beinhalteten sowohl das Aushandeln und Einfordern von individuell sinnvollen Regeln, als auch die Befähigung im Umgang mit digitalen Medien, im Sinne der Förderung der Medienkompetenz.

Besondere Beachtung ist dabei auch der Schnittstelle zum Elternhaus zu schenken. Sozialpädagogische Medienerziehung heisst aus systemischer Sicht, immer auch die Eltern einzubeziehen und ihnen Unterstützung anzubieten.

Medienerziehung

Definition Medienerziehung


Medienerziehung umfasst folgende drei Bereiche

Brennpunkt Cybermobbing

Definition Cybermobbing

Bradkes erste Definition von Cybermobbing beruht auf Dambach (2011, S. 15)  "Bei Cybermobbing geht es darum, dass neue Techniken, wie z.B. Email, Chat,…, oder Handys eingesetzt werden, um immer wieder und mit voller Absicht andere zu verletzen, sie zu bedrohen, sie zu beleidigen, Gerüchte über sie zu verbreiten oder ihnen Angst zu machen."  

In einem weiteren Schritt wird erläutert, dass die Übernahme des Begriffs von Mobbing erfolgt und mit dem Cyber (virtuell) Begriffe ergänzt wird. Demgegenüber führt Bradke an, dass die Auswirkungen den virtuellen Tätern und Täterinnen teilweise zu wenig bewusst sind. Die Übertragung von Bildern in den sozialen Netzwerken oder per Handys verlaufen mit wenigen Klicks. Mit Berücksichtigung auch des Begriffes Kräfteungleichgewicht, das sich im virtuellen Raum mit Kenntnissen umschreiben lässt, ergänzt Bradke die Definition wie folgt:

"Cybermobbing sind alle Formen von Schikane, Verunglimpfung, Betrug, Verrat und Ausgrenzung mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien, bei denen sich das Opfer hilflos oder ausgeliefert und (emotional) belastet fühlt. Oder bei denen es sich voraussichtlich so fühlen würde."

Quelle: Bradke, Martin (2014) Cybermobbing: Eine Untersuchung über mögliche Handlungsmöglichkeiten für Betroffene und deren Umfeld. Diplomica Verlag. Hamburg. 

Cybermobbing aus juristischer Sicht

Grundsätzliches:

Es gibt kein Internetgesetz und auch kein Medien- oder Jugendschutzgesetz in der Schweiz. Die gesamte Rechtsordnung wurde ursprünglich für die reale Welt geschaffen.

Anwendbare Gesetze

BV, OR, ZGB, StGB, URG, DSG, UWG

Nützliche rechtliche Informationen zum Thema

Merkblatt Umgang mit Cybermobbing für Schulleitung Diese Merkblatt ist auch im sozialpädagogischen Kontext hilfreich

Safer internet - Viele zusätzliche Infos und weiterführende Links

MEKiS – Medienkompetenzen in der stationären Jugendhilfe. Soziale Konflikte im digitalen Raum- rechtliche Fakten- Kommentare und Fallbeispiele

Buch Tipps

Das Elternbuch zu Whatsapp- Instagram und Co.

Feibel - Ich weiss alles über Dich. 

Nina ist verzweifelt. Nach einer Party bekommt sie ständig SMS von einer fremden Nummer. Der Paketdienst liefert Sachen, die sie nicht bestellt hat. Jemand hackt sich in ihrem Namen in den Schulcomputer ein. Dann steht sogar die Polizei vor der Tür! Will sich ihr Exfreund rächen? Zum Glück hat sie Ben kennengelernt. Er hört ihr zu und versucht zu helfen. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?

Brennpunkt Sexting

Kinderpornografie

Kinderpornografie wird je nach Land rechtlich unterschiedlich definiert. Als kleinster gemeinsamer Nenner wird Kinderpornografie als Abbildung beschrieben, die ein Kind an einer ausdrücklich sexuellen Aktivität darstellt oder zumindest so erscheinen lässt. Die Angebote reichen von Nacktaufnahmen von Kindern bis hin zu Aufnahmen von massiver sexueller und gewalttätiger Ausbeutung von Kindern.

(www.cybercrime.admin.ch)

Strafrechtlich

Bis anhin macht sich strafbar, wer Schriften, Ton- und Bildaufnahmen oder Abbildungen von sexuellen Handlungen mit Kindern erwirbt, über elektronische Mittel beschafft oder besitzt. Ab 1. Juli 2014 ist neu auch der Konsum von Kinderpornografie strafbar. Wer ohne Absicht über verbotene pornografische Inhalte stolpert, soll aber keine Strafe gewärtigen müssen; nur der vorsätzliche Konsum wird bestraft.

Sexting

Der Ausdruck Sexting setzt sich aus den beiden englischen Wörtern sex und texting zusammen und bezeichnet den Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon. Die Fotos werden einer bestimmten Person oder Personengruppe über Textnachrichten, Instant-Messaging oder Social-Media- Plattformen zugänglich gemacht. Dabei lassen sich Jugendliche manchmal unbewusst durch Gruppendynamik beeinflussen oder gar unter Druck setzen. Sexting ist nicht zu verwechseln mit dem Versenden anonymer, nicht selbst produzierter pornografischer Darstellungen.

www.projuventute.ch

Strafrechtlich

Strafrechtlich fällt das unter Nötigung oder Kinderpornografie.

Im konkreten Fall muss geklärt werden

  • Ob es sich um Kinderpornographie handelt, das heisst, ob die sexuelle Darstellung im Vordergrund steht.
  • Grundsätzlich: Nehmen Sie die Sache ernst, ohne den Sachverhalt zu verurteilen.
  • Sammeln Sie keine Bilder zur Beweisführung.
  • Löschen Sie die Bilder, denn auch der Besitz kann strafbar sein.
  • Besprechen Sie im Team, ob rechtliche Schritte sinnvoll sind.

Nützliche rechtliche Informationen zum Thema

Sexting und Kinderpornographie (Quelle:http://skppsc.ch )

MEKiS – Medienkompetenzen in der stationären Jugendhilfe Pornografie, Sexting und Gewaltdarstellungen im digitalen Raum- rechtliche Fakten- Kommentare und Fallbeispiele

Jugend und Medien.ch

Literaturtipp: Fit und fair im Netz, Strategien zur Prävention von Sexting und Cyberbullying

Felix Rauh – Schulsozialarbeiter hat einen Ratgeber zum Thema Sexting und Cyberbilling mit vielen praktischen Tipps und Hinweisen für die Schule geschrieben.Das Buch ist aber auch im sozial-pädagogischen Kontext sehr geeignet, um sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Buch | 1. Auflage 2016 | ISBN 978-3-0355-0479-8 | hep verlag: http://www.hep-verlag.ch/fit-und-fair.

Brennpunkt Selfies

Die Geschichte von Zora und Heiner dient ihnen als mögliches Beispiel

Definition Selfies

"Ein Selfie ist eine Art Selbstporträt, üblicherweise mit einer Digitalkamera oder einem Smartphone auf Armeslänge aus der eigenen Hand aufgenommen. Selfies sind oft in sozialen Netzwerken wie Facebook, Snapchat oder Instagram zu finden und bilden eine oder mehrere Personen (Gruppenselfies) ab."

http://de.wikipedia.org/wiki/Selfie

Generation Smartphone- ein partizipatives Projekt der Smartphone Nutzung (FHNW)

Interessante Informationen im Umgang mit Selfies enthält die Kampagne von Pro Juventute Echtes Leben 

Klick safe- Broschüre zu Selfies und Selbstdarstellung

Fachartikel und weitere Informationen

Gewalt und Medien

Macht Gewalt in Unterhaltungsmedien agressiv? Im TV werden wir werden regelmässig Zeugen/Zeuginnen brutaler Verbrechen. In Computer Games schlüpfen viele Menschen in die Rolle von Soldaten oder Scharfschützen. Lässt die Gewalt, die Menschen in Unterhaltungsmedien erleben, sie auch selbst aggressiver denken und handeln? 

Link mit vielen fundierten Informationen

Jugend und Medien Schweiz

Sexting und erotische Selbstdarstellungen digitale Medien

Pro Juventute

Merkblätter zu Cybermobbing und Sexting für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen

 

ZAHW Zentrum für angewandte Wissenschaften Zürich

Factsheet Cybermobbing

Wie viel Medien ist bei Kleinkindern erlaubt?

Schau hin was dein Kind mit Medien macht

 

Kindermedienland.de WhatsApp - Was tun bei Mobbing?

Cyber-Mobbing als Teil des jugendlichen Alltags

 

Literatur

Belkacem Imène (2012): Cybermobbing- der virtuelle Raum als Schauplatz für Mobbing unter Kindern und Jugendlichen. Hamburg

Folgerungen für die Sozialpädagogik

Medienerziehung heisst, mit angepassten Regeln einen Rahmen setzen (restriktive Begleitung) und gleichzeitig pädagogische Lernfelder (aktive Begleitung) öffnen.

Regeln

Aus fachlicher Sicht braucht es sowohl Regeln, die für alle gelten, sowie individuell angepasste Regeln:

Individuell angepasste Regeln beruhen einerseits auf gesetzlichen Grundlagen (z.B. Altersbeschränkungen), orientieren sich aber auch am Entwicklungsstand des einzelnen Kindes, seiner Haltung, der Haltung der Eltern, seines Risikoverhaltens usw. Daraus entsteht ein grösseres oder kleineres Handlungsfeld.

Regeln müssen gemeinsam besprochen werden. Was ist verhandelbar? Was ist nicht verhandelbar? Wie und wo werden die Regeln festgehalten? Wann werden sie überprüft? Wer ist Hüter oder Hüterin des Themas? Zu enge Regeln bewirken Stress, weil sie gar nicht eingefordert werden können, zu lockere Regeln geben keine Orientierung. Wichtig ist die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Thema.

Hier finden Sie einige Beispiele für Regeln im Umgang mit Medien.